Leitfaden für die Reinigung von Photovoltaikanlagen

Grundlagen einer schadensfreien Solarreinigung

Grundsätzlich darf die Reinigung von Photovoltaikmodulen keinerlei Bearbeitungsschäden hervorrufen. Davon muss der PV-Eigentümer ausgehen können, wenn er seinen Auftrag einem Fachbetrieb erteilt. Viele fachfremde Betriebe führen das (neue) Gewerk Solarreinigung ohne die erforderliche Kompetenz aus. Die Informationen der Gerätehersteller sind häufig die Grundlage des neuen Berufsfeldes.

Alternativ sind in den letzten Jahren verschiedene Institutionen entstanden, die sich auf die Schulung und Zertifizierung von branchenfremden Quereinsteigern spezialisiert haben. Die Qualität und Inhalte solcher Unterweisung sind nicht definiert und verfolgen unterschiedliche Absichten. Aufgrund der jeweiligen Geschäftsmodelle können Interessenskonflikte entstehen, z.B. durch eine Kombination von Schulung und angegliedertem Geräteverkauf .

Unabhängig vom realen Angebot ähneln sich die Internetauftritte der Reinigungsfirmen im Internet. Es werden die Werbeaussagen der Gerätehersteller übernommen und die Texte des Mitbewerbers kopiert. Die meisten Reinigungsverfahren verwenden Begriffe wie ökologische Reinigung, schonende Reinigung, werterhaltende Reinigung, Solarpflege usw.

 

Definition gemäß Leitfaden Solarreinigung-Richtlinien

1. Schadensfreie Reinigung

Die Gläser der PV-Module bestehen überwiegend aus verkratzungsempfindlichem Glas: ESG (Einscheiben-Sicherheitsglas), TVG (thermisch vorgespanntes Glas) usw.
Die Gläser, Eindichtungen (Silikon, Dichtungslippe), Aluminium-Profile und stromerzeugenden Solarzellen verändern im Laufe der Jahre ihre Qualität. Verursacher sind UV-Einstrahlung, starke Temperaturunterschiede, Wind- und Schneelast, Nässe, Moose, Flechten, Mikroorganismen und allgemeine Verschmutzung.

Die alterungsbedingt veränderten Modulmaterialien müssen besonders schonend, d.h. ohne Abrasivität,aggressive Reinigungsmedien, druck- und erschütterungsfrei gereinigt werden. Unsachgemäße Reinigung kann zusätzliche biophysikalische und biochemische Reaktionen auslösen. Eine fachmännische, real schadensfreie Solarreinigung darf nur mit einem „Schadensrisiko gegen Null“ ausgeführt werden.

1.1 Automatisierte, rotierende Bürstensysteme, die Reinigung mit Textilstreifen, Schwämmen, rotierenden Bürsten, Hochgeschwindigkeitsbürsten und Hilfsmittel mit starker Abrasivität können Verkratzungen im Glas hervorrufen und eine schnelle Wiederanschmutzung verursachen. Wird der Schmutz nicht ausreichend eingeweicht oder mit zu wenig Wasser gereinigt, steigt das Verkratzungsrisiko grundsätzlich bei jedem Reinigungsgerät.

1.2 Die Reinigung mit entmineralisiertem Wasser hat sowohl Kritiker, als auch Befürworter. Unter dem Elektronenmikroskop wird beim Spülen von Glas mit VE-Wasser das Diffundieren von Inhaltsstoffen klar erkannt. In anderen Versuchsreihen wurde beim Spülen definierter Verkratzungen mit entmineralisiertem Wasser unter dem Elektronenmikroskop eine „Verätzung“ der Kratzgänge beobachtet. Dies sind schwerwiegende Hinweise auf qualitätsmindernde Eigenschaften, die eine Verwendung von technischem Wasser bis auf weiteres ausschließen sollte.

2. Ökologische Reinigung

Das Reinigungsmedium muss von der Herstellung bis zur Anwendung bzw. Entsorgung gemäß Definition des Wuppertaler Instituts einen möglichst geringen MIPS-Wert von 1-2 aufweisen. MIPS steht für Material-Input Pro Serviceeinheit. MIPS ist ein allgemeingültiger Indikator für den vorsorgenden Umweltschutz. Er wurde am Wuppertal Institut entwickelt (http://wupperinst.org/).

Leitungs-, Brunnen- und Regenwasser haben einen geringen MIPS-Wert.

Technisch aufbereitetes Wasser (entionisiertes Wasser, VE-Wasser), Reinigungschemikalien (auch sog. „biologisch-abbaubare Reiniger“) und Nano-Produkte sind gemäß Definition des Wuppertaler Instituts mit einem hohen MIPS-Wert unökologisch.

3. Werterhaltende Reinigung und Pflege

Die Reinigung von PV-Anlagen muß dem Aufrechterhalten des materiellen und ideellen Wertes einer Photovoltaikanlage dienen. Jedes materielle Gut ist einer natürlichen Degradation unterworfen. Werterhalt bedeutet, dass die Oberflächen und das Innere der Materialien in keiner Weise durch Einwirkung von außen (physikalisch-chemisch) eine zerstörende Veränderung erfahren (z.B. Korrosion). Eine werterhaltende Reinigung muss darüberhinaus den Materialzerfall reduzieren, im Idealfall stoppen können, um die Funktion der Stromerzeugung über einen möglichst langen Zeitraum aufrechtzuerhalten.

In einer real werterhaltenden Reinigung müssen die verwendeten Materialien, Methoden und Werkzeuge völlig schadensfrei sein. Darüberhinaus muß eine real werterhaltende Reinigung in der Lage sein die natürliche Degradation im zeitlichen Verlauf zu reduzieren bis zu stoppen. Eine werterhaltende Reinigung kann auch als Pflege des Materials bezeichnet werden.

Die Verwendung von Reinigungsmitteln mit Inhaltsstoffen wie Tenside, Säuren, Laugen, Enzyme, Orangenreiniger und Mikroorganismen sind in der PV-Reinigung kritisch zu bewerten. Sie zerstören die Schmutzstrukturen und können so die Modulmaterialien langfristig angreifen.

4. Photovoltaik Sonder-Reinigung

Stark verschmutzte Photovoltaikmodule stellen besondere Anforderungen an das handwerkliche Know-How des erfahrenen PV-Reinigers. Hierzu gehören auch Mehrfachverschmutzungen unbekannter Herkunft, ein extremer „pflanzlicher Bewuchs“, oder Sonderverschmutzungen durch Unfälle jeglicher Art.

Eine schadensfrei und werterhaltend ausgeführte Sonderreinigung setzt ein hohes Maß an Sachverstand und Berufserfahrung voraus.
Die Wahl einer schadensfreien Methode, Technologie und Werkzeuge ist darüberhinaus Ausdruck dieses Sachverstandes.